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Samstag, 11. Juli 2015
Heute Nacht
fun-tom, 03:05h
Heut Nacht, wenn so wunderbunt der Farn sich entrollt,
Heute Nacht, wenn der Hausgeist nach Hause sich trollt,
Nördlich Sturm geballt, Wind von Westen kalt,
Also winkt mit der Hand mir die Zauberin bald.
Wie die Mauser in der Tasche wart ich auf ein Wunder,
Wie im Netz die Spinne lauert,
Wie ein Baum in Ödnis kauert,
Wie der schwarze Fuchs im Bau darunter.
Sei mir Schattenkontur, knarr wie Dielen im Flur,
Bunter Sonntag, mein Gottesbild, Birkensaft, der quillt,
Klingel, die da schrillt, mein verbogener Degen.
Ich lache und weiß ja, du bist der Wind,
Der mir entgegenweht;
Ich kämpfe um Dich, solang ich es noch bin,
Der durch die Träume dir geht.
Heute Nacht, wenn der Hausgeist nach Hause sich trollt,
Nördlich Sturm geballt, Wind von Westen kalt,
Also winkt mit der Hand mir die Zauberin bald.
Wie die Mauser in der Tasche wart ich auf ein Wunder,
Wie im Netz die Spinne lauert,
Wie ein Baum in Ödnis kauert,
Wie der schwarze Fuchs im Bau darunter.
Sei mir Schattenkontur, knarr wie Dielen im Flur,
Bunter Sonntag, mein Gottesbild, Birkensaft, der quillt,
Klingel, die da schrillt, mein verbogener Degen.
Ich lache und weiß ja, du bist der Wind,
Der mir entgegenweht;
Ich kämpfe um Dich, solang ich es noch bin,
Der durch die Träume dir geht.
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Donnerstag, 9. Juli 2015
Der letzte Dodo
fun-tom, 03:26h
Der lerzte glaubwürdige Augenzeugenbericht, in dem von lebenden Dodos die Rede ist, stammt aus dem Jahre 1662. Ein Holländer namens Volquard Iversens strandete in diesem Jahr auf Mauritius, nachdem sein Schiff in einenem Sturm untergegangen war. Zwar hatten Holländer bereits ein Menschenleben zuvor zum ersten Mal die Insel betreten, aber nicht lange, ehe Iversen dort strandete, war ein Ansiedlungsversuch fehlgeschlagen; als er und seine Schiffskumpane an Land stolperten, fanden sie Mauritius unbewohnt. Wir können getrost davon ausgehen, daß die hungrigen und verzweifelten Schiffbrüchigen die Gegend nach Eßbarem absuchten. Wenngleich durch den Hunger zur gründlichen Suche motiviert, traf Iversen auf dem mauritischen Festland keinerlei Dodos mehr an. Er entdeckte allerdings einige auf einem kleinen Inselchen direkt vor der Küste, das nahe genug war, um bei Ebbe zu Fuß erreichbar zu sein. "Neben anderen Vögeln", berichtete Iversen, gab es auch solche, die von den Leuten in den indischen Kolonien doddaerssen genannt werden; sie waren größer als Gänse, konnten aber nicht fliegen. Statt der Schwingen hatten sie kleine Flügelklappen; sie konnten allerdings sehr schnell laufen." So knapp und wenig informativ Iversens Bericht ist, er ergibt einen guten ökologischen Sinn. Die kleine Wasserstraße war vermutlich gerade groß genug, um das Inselchen vor Schweinen und Affen zu schützen. Mindestens einige der Dodos auf dem Inselchen wurden von Iversens Gruppe gefangen. Die Schilderung, die er davon gab, habe ich bereits zitiert: "Als wir einen am Bein hielten, stieß er einen Schrei aus, andere rannten herbei, um dem Gefangenen beizustehen, und wurden ebenfalls ergriffen." Natürlich spielten die Holländer nicht aus Spass Fangen mit den Vögeln. Ein Messer, ein Lagerfeuer, ein stabiler grüner Stock, der als Bratspieß herhielt - die Einzelheiten kann man sich ausmalen; zweifellos aber war Volquard Iversen daran beteiligt, ein paar Dodos zu schlachten und aufzuessen, bei denen es sich um die letzen Exemplare der Art gehandelt haben könnte oder auch nicht. Wahrscheinlich erschienen dieser Gruppe von Schiffbrüchigen die walkvögel nicht ganz so walk. Ich fühle mich hier an ein paar Zeilen eines alten Knittelversgedichtes erinnert, das vom Kannibalismus einer Gruppe Gestrandeter handelt, wobei das letzte Opfer, das geschlachtet wird - und zwar vom Dichter selbst - , der Koch ist:
"Und ich eß den Koch in rund einer Woch,
Und während ich mampf die letzen Kaldaunen,
Also, da fall ich fast um vor Staunen,
Weil auf der See ein Schiff ich erspäh."
Iversen und seine Genossen hatten Glück. Nach nur fünf Tagen wurden sie von einem vorbeifahrenden Schiff gerettet. Einen lebenden Dodo hat niemand mehr zu Gesicht bekommen.
"Der Gesang des Dodo"
David Quammen
"Und ich eß den Koch in rund einer Woch,
Und während ich mampf die letzen Kaldaunen,
Also, da fall ich fast um vor Staunen,
Weil auf der See ein Schiff ich erspäh."
Iversen und seine Genossen hatten Glück. Nach nur fünf Tagen wurden sie von einem vorbeifahrenden Schiff gerettet. Einen lebenden Dodo hat niemand mehr zu Gesicht bekommen.
"Der Gesang des Dodo"
David Quammen
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Mittwoch, 1. Juli 2015
Gerüche
fun-tom, 19:04h
Immer hab ich den Geruch geliebt, den Schweiß,
die Ausdünstung am Morgen, auch die Exkremente,
den Schmutz nach langer Bahnfahrt und in einem Bett.
Mein Geruch ist verdammt geworden, ich war eine
Schnapsfahne in einem wohlbestellten Haus.
Dreimal Baden auch keine Seltenheit. Am Monatsende
bin ich gemieden worden wie ein Kadaver.
Ich habe viel bereut, am meisten aber meinen Geruch.
Am meisten, daß mein Geruch nicht gefallen hat.
Es erzeugt Haß, Rachsucht, Verdammung werden noch so erzeugt.
Ingeborg Bachmann
"Ich weiß keine bessere Welt"
die Ausdünstung am Morgen, auch die Exkremente,
den Schmutz nach langer Bahnfahrt und in einem Bett.
Mein Geruch ist verdammt geworden, ich war eine
Schnapsfahne in einem wohlbestellten Haus.
Dreimal Baden auch keine Seltenheit. Am Monatsende
bin ich gemieden worden wie ein Kadaver.
Ich habe viel bereut, am meisten aber meinen Geruch.
Am meisten, daß mein Geruch nicht gefallen hat.
Es erzeugt Haß, Rachsucht, Verdammung werden noch so erzeugt.
Ingeborg Bachmann
"Ich weiß keine bessere Welt"
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